Berufliche Ausbildung in Deutschland für EU-Bürger

EU Bürger haben aufgrund der Freizügigkeit innerhalb Europas nicht nur das Recht in Deutschland zu arbeiten, sondern auch das Recht, dort auch eine berufliche Ausbildung zu absolvieren.

In Deutschland gibt es die duale Berufsausbildung. Während der Ausbildung lernt man nicht nur in der Schule, sondern setzt das Gelernte in seinem Ausbildungsbetrieb direkt in die Praxis um. Man lernt dort, was man an fachlichem Wissen für die berufliche Zukunft braucht. Während der Ausbildung zahlt der Betrieb eine Ausbildungsvergütung, also ein Gehalt. Die Ausbildung im Betrieb findet an drei bis vier Tagen in der Woche statt.

Der Unterreicht in der Berufsschule mit fachtheoretischen und allgemeinbildenden Inhalten findet an acht bis zwölf Stunden pro Woche statt und ist speziell auf den gewählten Beruf zugeschnitten.

Die duale Ausbildung dauert, je nach Beruf, zwischen zwei und dreieinhalb Jahren. Nach dem ersten und zweiten Ausbildungsjahr muss eine Zwischenprüfung absolviert werden. Dann folgen das dritte Ausbildungsjahr und die Abschlussprüfung. In manchen Berufen ist die Abschlussprüfung bereits mit Beendigung des zweiten (und dann letzten) Ausbildungsjahrs abzulegen.

Die duale Berufsausbildung kann mit jedem Schulabschluss begonnen werden, ein Studium ist nicht erforderlich. Oft werden Auszubildende nach Abschluss der Ausbildung von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen.

Ein Ausbildungsverhältnis ist ein Unterfall eines Arbeitsverhältnisses, so dass die Regeln, die für das Arbeiten in Deutschland gelten, auch auf die Ausbildung in Deutschland anzuwenden sind.

MobiPro-EU: Sonderprogramm der EU gegen Jugendarbeitslosigkeit

Achtung! Dieses Programm ist von der Bundesregierung wegen Ausschöpfung der finanziellen Mittel bis 2015 gestoppt worden.

Da es in vielen europäischen Ländern gegenwärtig eine hohe Jugendarbeitslosigkeit gibt, in Deutschland aber sehr viele Ausbildungsplätze unbesetzt sind, hat die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit Anfang 2013 ein Sonderprogramm mit Namen "MobiPro-EU" (Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen und arbeitslosen jungen Fachkräften aus Europa) aufgelegt. Den Jugendlichen aus Europa werden Förderleistungen angeboten, um sie bei der Aufnahme einer betrieblichen Berufsausbildung in Deutschland zu unterstützen.

Hintergrund: In Frankreich haben 26 Prozent der Jugendlichen keinen Job, in Italien und Portugal sind es 35 Prozent. In Griechenland und Spanien liegt die Arbeitslosenquote der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sogar bei über 50 Prozent. In Deutschland hingegen haben lediglich 8 Prozent der unter 25-Jährigen keinen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.

Das Sonderprogramm will die berufliche Mobilität von jungen Menschen innerhalb der EU fördern. Ein besonderes Gewicht wird dabei besonders auf die Sprachförderung im Herkunftsland und in Deutschland gelegt. Daneben gibt es Reisekostenzuschüsse und eine finanzielle Unterstützung zum Lebensunterhalt während des ausbildungsvorbereitenden Praktikums und der gesamten Ausbildungsdauer.

Die Förderung steht jungen EU- Bürgern zwischen 18 und 35 Jahren zu.

Das Förderprogramm steht auch jungen Fachkräften offen, die bereits eine Ausbildung absolviert haben und in einer qualifizierten Beschäftigung in einem Mangelberuf in Deutschland arbeiten möchten.

In besonders zu begründeten Ausnahmefällen, zum Beispiel in den Gesundheitsberufen, können Arbeitssuchende sogar bis zum Alter von 40 Jahren gefördert werden.

Diejenigen jungen Erwachsenen aus dem innereuropäischen Ausland, die bereits über eine berufliche Qualifikation in einem Mangelberuf verfügen, können sich an einem Verfahren zur Anerkennung der Qualifikation beteiligen. Welche Berufe als Mangelberufe gelten, folgt aus der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit. Diese wird regelmäßig aktualisiert und berücksichtigt auch regionale Unterschiede.

Bis zum Jahr 2016 stehen für das Sonderprogramm bis zu 139 Millionen Euro zur Verfügung.

Sprachkurse und Reisekostenzuschüsse

Das Sonderprogramm will jungen Europäern vor allem helfen, sprachliche Hindernisse zu überwinden, die einer Ausbildung oder Arbeit in Deutschland entgegenstehen. Wer sich im Heimatland mit Hilfe eines Sprachkurses auf seine berufliche Tätigkeit in Deutschland vorbereitet, erhält dies finanziert. Aber auch derjenige, der in Deutschland nach der Aufnahme der Ausbildung oder Erwerbstätigkeit noch weiter Deutsch lernen muss, erhält Fördergelder. Um die geförderte Berufsausbildung in Deutschland machen zu dürfen, sind die Interessenten verpflichtet, zuerst ein Praktikum im Ausbildungsbetrieb zu absolvieren. Es soll der Gefahr vorgebeugt werden, dass die Ausbildung abgebrochen wird, weil sie den persönlichen Erwartungen nicht entspricht. Außerdem können Jugendliche, in deren Heimat es keine duale Berufsausbildung gibt, mittels des Praktikums einen Einblick in den deutschen Berufsalltag gewinnen.

Für das Praktikum und die Vorstellungsgespräche werden Reisekostenpauschalen für die An- und Abreise gewährt. Des Weiteren bekommen die jungen Erwachsenen Hilfen für den Lebensunterhalt, falls ihr Gehalt hierzu nicht ausreicht. Begleitend zur Ausbildung wird ebenfalls eine Lernförderung finanziert, wenn dies notwendig ist.

Bundesagentur für Arbeit

Für das Sonderprogramm zuständig ist die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV). Sie prüft die Anträge, bewilligt die Geldleistungen und ist auch auszahlende Stelle. Das Förderprogramm heißt dort "The Job Of My Life".

Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit kennt die freien Ausbildungsstellen in Deutschland. Sie sucht für diese freien Stellen im Ausland nach interessierten Bewerbern.

Zum Inhalt des Forderprogramms zählen neben den Sprachkursen eine umfangreiche Beratung und Betreuung, ein Praktikum in einem Betrieb sowie die finanzielle Unterstutzung.

Das Programm "The Job Of My Life" kann mit jedem Schulabschluss begonnen werden.

Trotz der intensiven Förderung steht es allen Teilnehmern des Förderprogrammes nach Abschluss der Ausbildung frei, in Deutschland zu bleiben und dort zu arbeiten oder aber in die Heimat zurückzukehren oder sich jeden beliebigen Ort Europas oder der Welt für seine berufliche Karriere zu wählen.

Leistungen

Hier noch einmal zusammengefasst die Leistungen des Förderprogramms:

- Vorbereitender Deutschkurs im Heimatland
- Zuschuss zu den Reise- und Umzugskosten
- Sprachkurs in Deutschland zur Vorbereitung auf das Praktikum
- Neben der Ausbildungsvergütung gibt es eine zusatzliche finanzielle Unterstützung.
- Persönliche Begleitung in Schule, Betrieb und Alltag

Voraussetzungen

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um an dem Förderprogramm für junge Europäer teilnehmen zu können?

Man muss die allgemeine Schulpflicht erfüllt haben und ein gutes Zeugnis besitzen. Ein bestimmter Schulabschluss wird nicht gefordert. Daneben muss man bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und sich zu engagieren, teamfähig, zuverlässig, belastbar, leistungsbereit und freundlich sein. Selbstverständlich muss man zudem ein wenig Neugier und Mut mitbringen, in einem anderen Land für eine gewisse Zeit oder auf Dauer leben zu wollen.

Hier noch einmal die wesentliche Voraussetzungen von Mobi-ProEU bzw. "The Job Of My Live" im Überblick:

- Das Mindestalter beträgt 18 und Höchstalter 35 Jahre (in Ausnahmefällen: 40 Jahre).
- Man besitzt die Staatsangehörigkeit eines EU-, einem EWR-Staates oder der Schweiz und besitzt damit das Recht auf Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU.
- Man hat noch keine betriebliche Ausbildung abgeschlossen.
- Man hat die allgemeine Schulpflicht erfüllt.
- Man ist bereit Deutsch zu lernen.

Bewerbung

Informationen zur Auswahl der Bewerber geben die EURES-Berater im jeweiligen Heimatland oder aber die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit in Deutschland. EURES steht für European Employment Services. Es ist ein europaweites Netzwerk der öffentlichen Arbeitsverwaltungen. Die EURES-Partner helfen der deutschen ZAV (Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit) bei der Suche nach geeigneten Bewerbern und bei der Vorauswahl für Vorstellungsgespräche.

Es muss dann eine Bewerbung bei dem gewünschten Ausbildungsbetrieb eingereicht werden. Diese beinhaltet ein Bewerbungsschreiben, den Lebenslauf, Zeugnisse und ein Foto. Der Betrieb muss überzeugt werden, warum er gerade den Bewerber ausbilden soll.

Ist die schriftliche Bewerbung erfolgreich, so wird man zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Hierauf sollte man sich gut vorbereiten, etwa Informationen über den Betrieb sammeln und sich auf Fragen zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten vorbereiten.

Hat man eine Zusage bekommen, so startet die Ausbildung.

Zeitlicher Ablauf der geförderten Ausbildung in Deutschland

Sprachkurse

Gestartet wird mit einem vorbereitenden Deutschkurs im jeweiligen Heimatland, um sich schon vor der Ankunft in Deutschland mit der Sprache ein wenig vertraut machen zu können. Nach dem Umzug nach Deutschland nimmt man an einem Vollzeit-Sprachkurs zur Vorbereitung auf das Praktikum teil. Diese Zeit ist auch als Eingewöhnungszeit in Deutschland zu werden.

Praktikum in Deutschland

Nun schließt sich ein zweimonatiges Praktikum in einem Betrieb an, so dass man den anvisierten Beruf kennen lernen kann.

Unterzeichnung des Ausbildungsvertrags

Verläuft das Praktikum entsprechend den eigenen Vorstellungen, so kann man sich für den Ausbildungsvertrag entscheiden, den man nun angeboten bekommt.

Beginn der Ausbildung

Die dreijährige Ausbildung beginnt am 01.08. oder 01.09.2013. Nebenbei werden die Sprachkenntnisse vertieft. Es steht zudem immer ein Ansprechpartner zur Verfügung, der nicht nur bei beruflichen oder schulischen, sondern auch bei privaten Problemen berät und hilft.

Voraussichtliches Ende der Ausbildung

Die Ausbildung endet mit der Abschlussprüfung am 31.08.2016. Die Abschlussprüfung ist wichtig, denn nur wenn man sie besteht, darf man in dem erlernten Beruf auch arbeiten.

Fortführung von MobPro-EU

Wie oben bereits erwähnt, hat die Bundesregierung MobiPro-EU für 2014 gestoppt.

Quelle für die weiteren Ausführungen: BT-Ds 18/1343

Antrag, den Stopp des Programms MobiPro-EU aufzuheben

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen sowie einige Abgeordneten haben am 6. Mai 2014 einen Antrag auf einen Beschluss des Bundestags gestellt, den Stopp des Programms MobiPro-EU sofort aufzuheben und die Jugendarbeitslosigkeit in Europa weiter zu bekämpfen. Das Programm solle bis 2018 ausfinanziert werden.

Sie begründen dies damit, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Europa in Folge der Banken-, Schulden- und Wirtschaftskrise erschreckende Ausmaße angenommen habe. Fast ein Viertel der jungen Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren seien Ende 2013 ohne Arbeit oder Ausbildung gewesen. Insgesamt seien laut Eurostat 5,5 Millionen junge Menschen in der Europäischen Union betroffen von der Arbeitslosigkeit betroffen. Besonders schlimm sei die Situation in Griechenland, Kroatien und Spanien. In diesen Ländern sei über die Hälfte der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden 15- bis 25-Jährigen arbeits- und ausbildungslos.

Deutschland habe sich im europäischen Ausland immer als Vorbild für andere Staaten dargestellt dank seiner guten wirtschaftlichen Lage eine Leitbildfunktion übernommen, auch bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit. Dazu im völligen Gegensatz stehe die Handhabung des Programm "MobiPro-EU" durch die Bundesregierung, das einen Beitrag zur Bekämpfung der europäischen Jugendarbeitslosigkeit und zur Deckung des deutschen Fachkräftebedarfs leisten soll. Tausende junge Europäer seien von deren plötzlichen Entscheidung der deutschen Bundesregierung überrascht worden, einen Antrags-Stopp für "MobiPro-EU" für das Jahr 2014 zu verhängen.

Besonders stark verunsichert seien etwa 2.300 junge Menschen, die die Unterstützung durch "MobiPro-EU" beantragt, Sprachkurse und Praktika begonnen haben und sich dafür teilweise bereits in Deutschland aufhalten. Sie haben die große Sorge, mit Schulden statt mit neuen Perspektiven wieder in ihre Heimat zurückkehren zu müssen.

Die Bundesregierung erklärte das plötzliche Aus von "MobiPro-EU" für 2014 mit dem hohen Zuspruch und der Ausschöpfung der bereit gestellten Mittel. Circa 9.000 Personen hätten seit dem Programmstart 2013 eine Förderung beantragt.

Die Grünen halten es für beschämend, dass die "gelebte europäische Solidarität" (so war das Programm bei seinem Start angepriesen worden) mit der Unterstützung von 9.000 jungen Menschen überfordert sein soll. Der Stopp von "MobiPro-EU" habe deshalb zu Recht europaweit Empörung ausgelöst.

Dies habe zu Imageschaden Deutschlands im europäischen Ausland geführt. Nur mit einer sehr schnellen Korrektur der Entscheidung könne dieser Schaden in Grenzen gehalten werden. "MobiPro-EU" könne zwar angesichts der Dimension der Jugendarbeitslosigkeit nur einen begrenzter Beitrag zur Lösung des Problems sein, wenigstens dies aber müsse die deutsche Bundesregierung gewährleisten. Dies auch vor dem Hintergrund, das Deutschland erheblich von den Ausbildungswilligen und Fachkräften aus Europa profitiere.

Hintergrund

"MobiPro-EU" wurde im Januar 2013 ins Leben gerufen. Es wendet sich an junge europäische Ausbildungswillige bzw. Fachkräfte bis 35 Jahre und bietet ihnen Unterstützung bei der Suche nach einer beruflichen Perspektive in Deutschland an. Die durch "MobiPro-EU" gewährte Starthilfe für die jungen Menschen beinhaltet die Finanzierung von Sprachkursen, Reise- und Unterhaltskosten Hilfe bei Praktika, der Ausbildungsplatzsuche und bei der Vermittlung auf einen Arbeitsplatz.

Vor dem Hintergrund der enorm hohen Jugendarbeitslosigkeit in Europa war die Nachfrage nach einer Förderung durch "MobiPro-EU" groß. Seit 2013 haben sich etwa 9.000 junge Menschen einen Antrag auf Förderung durch "MobiPro-EU" gestellt. Mit verantwortlich für dies gute Nachfrage waren auch Informations- und Auswahlveranstaltungen im europäischen Ausland. "The job of my life" ist der Slogan, mit dem die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit für das Programm wirbt.

Anfang April wurde von der deutschen Bundesregierung ein kompletter Antragsstopp für 2014 verhängt. Erst 2015 sollen Ausbildungswillige und Fachkräfte wieder neue Anträge stellen können. Ungeklärt ist ist die Lage von vielen jungen Menschen, die sich bereits in Deutschland aufhalten, Sprachkurse absolviert und Praktika begonnen und damit Kosten auf sich genommen haben. Ob und wann sie mit einer Förderung rechnen können, steht nicht fest. Gleichsam sind Träger und Bildungseinrichtungen in Vorleistung für "MobiPro-EU" gegangen.

Wie solle es weitergehen?

Wenn die jungen Menschen im Ausbildungsjahr 2015/2016 planmäßig in Deutschland ihre Ausbildung beginnen sollen, müssen bereits im September 2014 die Vorbereitungen im Herkunftsland anfangen. Für einen erfolgreichen Ablauf des Programms muss d die Finanzierung für das komplette Jahr sichergestellt werden.

Die ausländische Presse berichtet bereits kritisch über das Verhalten Deutschlands.